Hanau, 19. März

In Hanau am Main bin ich geboren worden, an diese Stadt habe ich mein ganzes Herz verloren und hatte nie das Bedürfnis, diese Liebe zu verlassen – zum Unverständnis vieler Bekannter. Aber sie kennen die Stadt nicht oder haben sich nie wirklich mit ihr auseinandergesetzt. Hanau ist eine Stadt mit tiefen Narben. Sie hat ihre Schönheit in wenigen Nachtstunden am 19. März 1945 verloren, durch eine Feuersbrunst, wie sie nur wenige Städte hierzulande erlebt haben.Die herrliche Innenstadt verschwand für immer.Dennoch lohnt sich die Spurensuche. Und wer sich die Mühe macht, wird erkennen: Hanau ist interessant, eine Schönheit von innen. Es macht Spaß, sie kennen zu lernen. Wer sich vorbehaltlos auf sie einlässt, dem gibt sie auch etwas zurück. Hanau ist mehr als nur Brüder Grimm- oder Goldschmiedestadt. Das sind sicher traditionelle Aspekte, mit denen sich eine Stadt oberflächlich schmücken kann, die für Denkmäler dienen, für Marketing oder Tourismus. Für mich steht Hanau für Bodenständigkeit, Toleranz, Lebensfreude, den Willen wieder aufzustehen, für Integrationskraft und Mut. In diesen politisch aufgewühlten Zeiten, in denen viele Orientierung und Halt suchen und das oftmals bei Blendern und Verführern fälschlicherweise zu finden meinen, kann diese Stadt mit ihrer Geschichte der Bombennacht vom 19. März 1945 ein eindrückliches Mahnmal der schrecklichen Folgen sein. Hanau ist aber auch ein lebendiges Beispiel dafür, wie Zusammenleben funktioniert – friedlich und respektvoll. Der Umgang mit den schrecklichen Erlebnissen der vergangenen Wochen bestätigt mich in diesem Gefühl.

Aquarell: Wallonisch-Niederländische Kirche vor dem 19. März 1945.

Im Shop als Druck.

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