That’s me

Frische Farben für die Phantasie

„Meine Bilder sind mein Reisepass im Kopf“

Holger, schaut man sich Deine Bilder an, fallen einem zunächst einmal die kräftigen Farben auf –  gelber Himmel oder leuchtend blaue Hausdächer. Außerdem stehen da eher minimalistisch gehaltene Skizzen urbaner Szenen zugleich Bildern entgegen, die an Kinderbuch-Illustrationen erinnern.

Genau so ist es. Ich liebe es, fröhliche Tiere aufs Papier zu bringen, bunte Freunde für Kinder und Erwachsene, fürs Kinderbuch oder gerahmt für das Kinderzimmer. Wenn Kids und Eltern auch in diesen vier Wänden etwas Individuelles möchten statt der immer gleichen Fotodrucke aus Bauhäusern oder Möbelmärkten, dann helfe ich gern. Aber mein Beruf als PR-Spezialist bei einem Fußball-Bundesligisten bringt auch viele Reisen mit sich. Dabei habe ich immer Stifte oder meinen kleinen Farbkasten bei mir und ein Skizzenbuch oder Block, um Gesehenes festzuhalten. Diese Skizzen, die man neudeutsch wohl unter dem Schlagwort „Urban Sketching“ einordnen kann, sind für mich emotionale Souvenirs dieser Reisen. Sie wecken sofort wieder Erinnerungen in mir, die mich zurückbringen an den Ort, wo ich das Bild gemalt habe.

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Holger Kliem

Aber auch Hanau, Deine Heimatstadt im Rhein-Main-Gebiet, ist häufiger Thema Deiner Malerei?

In Hanau am Main bin ich geboren worden, an diese Stadt habe ich mein ganzes Herz verloren und hatte nie das Bedürfnis, diese Liebe zu verlassen – zum Unverständnis vieler Bekannter. Aber sie kennen die Stadt nicht oder haben sich nie wirklich mit ihr auseinandergesetzt. Hanau ist eine Stadt mit tiefen Narben. Sie hat ihre Schönheit in wenigen Nachtstunden im März 1945 verloren, durch eine Feuersbrunst, wie sie nur wenige Städte hierzulande erlebt haben.

Die herrliche Innenstadt verschwand für immer.

Dennoch lohnt sich die Spurensuche. Und wer sich die Mühe macht, wird erkennen: Hanau ist interessant, eine Schönheit von innen. Es macht Spaß, sie kennen zu lernen. Wer sich vorbehaltlos auf sie einlässt, dem gibt sie auch etwas zurück. Hanau ist mehr als nur Brüder Grimm- oder Goldschmiedestadt. Das sind sicher traditionelle Aspekte, mit denen sich eine Stadt oberflächlich schmücken kann, die für Denkmäler dienen, für Marketing oder Tourismus. Für mich steht Hanau für Bodenständigkeit, Toleranz, Lebensfreude, den Willen wieder aufzustehen, für Integrationskraft und Mut. In diesen politisch aufgewühlten Zeiten, in denen viele Orientierung und Halt suchen und das oftmals bei Blendern und Verführern fälschlicherweise zu finden meinen, kann diese Stadt mit ihrer Geschichte der Bombennacht vom 19. März 1945 ein eindrückliches Mahnmal der schrecklichen Folgen sein. Hanau ist aber auch ein lebendiges Beispiel dafür, wie Zusammenleben funktioniert – friedlich und respektvoll. Sicher haben seit 1945 viele versucht, das Bild der Stadt zu verändern, sie selbst zu verändern, mal richtig gut, mal etwas schlechter. Hanau hat graue, kalte Ecken, aber auch viele schöne, bunte, liebevolle und erfrischende Flecken. Die mit meinen Augen zu sehen und in meinen Farben festzuhalten, das macht mir Spaß.

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Du hast es bereits gesagt, Du arbeitest hauptberuflich in der Kommunikation. Woher kommt Dein Zug zur Kunst?

Ich komme aus einer kunstbegeisterten Familie. Mein Großvater hat in seiner Freizeit gemalt und geschnitzt, unter anderem auch mit dem damaligen Langeooger Insel-Schnitzer Otto Leiß. Er hat seine Wochenenden in Museen verbracht und zuhause eine kleine Bibliothek an Kunstbüchern und Ausstellungskatalogen angelegt. Seine Tochter, meine Mutter, war Absolventin der Hanauer Zeichenakademie, hatte bei uns daheim eine kleine Goldschmiede-Werkstatt und arbeitete später im Hanauer Goldschmiedehaus. Ich war nach der Schule oft bei Ihr, wenn sie dort Kunst-Ausstellungen dekorierte und war begeistert von Schmuckstücken und Künstlern. Zudem wohnten wir in meiner Kindheit in unmittelbarer Nachbarschaft des bekannten Hanauer Malers und Glaskünstlers August Peukert. Seine Arbeiten begeistern mich noch heute als Erwachsener, wie auch die herrlichen Arbeiten des Hanauer Bildhauers August Gaul. All das hat mich sicher geprägt.

War die Zeichenakademie dann nie ein Thema für Dich?

Doch, in der Zeit vor dem Abitur habe ich mich mit diesem Gedanken intensiv beschäftigt. Aber ich hatte nicht den Mut und niemanden der mich bestärkt hat, diesen Schritt zu machen. Ich habe mich stattdessen für ein Studium der Politologie, der Soziologie und der Theologie entschieden, mich später dann dem Journalismus gewidmet und bin nun seit einigen Jahren Leiter der Medienabteilung und Pressesprecher eines Fußball-Bundesligisten.

Ausstellung - Galerie Arp (Hanau) - Dezember 2019
Ausstellung GALERIE ARP (Hanau, Dezember 2019)

Bleibt da noch Zeit zum Malen?

Wie gesagt, ich male auch unterwegs. Ich nutze jede Minute, die sich bietet, mich vor ein Stück Papier zu setzen. Ob die Ergebnisse dann gut sind, müssen andere beurteilen.

Trotzdem, wie siehst Du Deine Bilder? Wie würdest Du sie charakterisieren oder jemandem erklären, der sie nicht kennt?

Puh, das ist schwer. Da ist zum einen die Kunst fürs Kinderzimmer. Ich merke, dass meine Bilder im Comic-Stil bei Kindern wie Eltern Anklang finden. Wenn ich über diese Bilder auch das Interesse bei den Kids für die Natur und die Herkunft der Tiere wecken kann, freue ich mich natürlich. Denn nur wer sich für Natur und Umwelt interessiert und begeistert, der wird sich auch für ihren Erhalt einsetzen. Bei anderen Motiven lasse ich mich von Einflüssen aus der internationalen Szene der „Urban Sketcher“ inspirieren oder von Comics der „Ligne Claire“, wie etwa von Hergés (Tintin) oder E.P. Jacobs (Blake & Mortimer). Früher habe ich von den Abenteuern dieser Helden geträumt, meine Phantasie wurde beflügelt, ich bin mit ihnen beim Lesen auf Reisen gegangen. Das mache ich natürlich immer noch, aber beim Malen meiner eigenen Bilder kann ich auch entspannen und träumen und mit dem Pinsel alles erleben, was ich möchte. Meine Bilder sind mein Reisepass im Kopf.   +++

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