DIE LÖWIN – APRIL, VOR FÜNF JAHREN

Es gibt Bilder, die begleiten einen länger, als man zunächst ahnt.
Dieses hier gehört definitiv dazu.

Vor fünf Jahren, im April, entstand mein Bild „Die Löwin – eine Reminiszenz an August Gaul“. Rückblickend ist es weit mehr als nur ein künstlerisches Projekt gewesen. Es war eine persönliche Annäherung an einen der bedeutendsten Künstler meiner Heimatstadt Hanau – und an ein Motiv, das mich schon seit meiner Kindheit fasziniert hat.

Ein Künstler von Weltrang – mit Wurzeln in Hanau

August Gaul, 1869 in Großauheim geboren, zählt zu den prägenden Bildhauern der Moderne. Seine Tierplastiken aus Stein und Bronze machten ihn international bekannt – von Berlin bis in die USA und nach Russland.

Seine Werke wurden auf großen Weltausstellungen gezeigt, unter anderem in Paris und St. Louis. Noch heute findet man sie an prominenten Orten: ein Adler bei Macy’s in Philadelphia oder eine eindrucksvolle Wisentgruppe im russischen Kaliningrad.

Sein künstlerisches Zentrum war jedoch Berlin. Dort entwickelte er seinen unverwechselbaren Stil – reduziert, klar, auf das Wesentliche fokussiert. Gemeinsam mit Max Liebermann und Paul Cassirer prägte er die Moderne entscheidend mit.

Die Löwin – ein Bild, das bleibt

Die stehende Löwin ist eines seiner zentralen Werke.
Eine Skulptur, die nicht durch Detailfülle beeindruckt, sondern durch Klarheit. Durch Haltung. Durch Präsenz.

Schon als Kind hat mich diese Figur in ihren Bann gezogen – damals noch auf dem Rochusplatz. Später, bei einer großen Ausstellung im Museum Großauheim zum 150. Geburtstag Gauls, wurde diese Faszination neu entfacht.

Gauls eigener Anspruch bringt es auf den Punkt:

„Ich will gar nicht die Natur pedantisch imitieren, sondern das Typische und ihren seelischen Kern festhalten.“

Genau das macht die Löwin so besonders. Sie ist kein Abbild. Sie ist Essenz.

Der Weg zur eigenen Interpretation

Aus diesem Eindruck entstand der Wunsch, das Thema selbst malerisch aufzugreifen.
Nicht als Kopie – sondern als Dialog.

Der Einstieg erfolgte über eine Wasserfarb-Skizze. Erste Linien, erste Farbideen. Fragmente aus der Ausstellung, aus Erinnerungen, aus Fotografien.

Doch der Prozess zog sich. Die 150 x 100 cm große Leinwand verschwand immer wieder im Atelierhintergrund. Andere Projekte drängten sich nach vorne. Der Winter kam – und mit ihm eine Pause.

Und trotzdem: Das Bild blieb. Im Kopf. Im Blick. Im Gefühl.

Der Moment, in dem alles zurückkommt

Dann, plötzlich, dieser eine Impuls.

Ein kleiner Bronzen-Bär, den ich online entdeckt und gekauft hatte.
Der Auslöser.

Innerhalb weniger Tage war die Energie zurück.
Die Farben wurden zum Rhythmus:

Phthalo-Grün.
Ocker.
Ultramarin-Blau.
Cadmium-Rot.
Aquamarin.

Stunden vergingen. Tage.
Und Stück für Stück entstand das, was ich lange gesucht hatte: eine eigene, malerische Annäherung an Gauls Welt.

Das fertige Werk – und was geblieben ist

Am Ende stand ein Bild, das ich bis heute zu meinen persönlichsten Arbeiten zähle:

„Die Löwin – eine Reminiszenz an August Gaul“
Acryl auf Leinwand, 150 x 100 cm

Und vielleicht ist das Schönste daran nicht nur der Entstehungsprozess – sondern das, was danach kam:

Das Bild hat heute seinen Platz gefunden.
Im Wohnzimmer einer kunstbegeisterten Hanauer Familie.

Ein Ort, an dem es gesehen wird.
Geschätzt wird.
Und weiterlebt.

Fünf Jahre später

Wenn ich heute, fünf Jahre später, auf dieses Werk zurückblicke, spüre ich vor allem eines: Dankbarkeit.

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