Manche Bilder fließen einfach. Dieses nicht. „Under Pressure: Modern Girl“ war ein Kampf. Ein Ringen mit Farben, Formen, Widerständen. Ich habe mich durchgearbeitet. Immer wieder übermalt. Neu begonnen. Mich geärgert. Abstand genommen. Und doch nicht losgelassen. Das Mädchen hat sich gesträubt, dass Bild hat sich gewehrt – und genau deshalb hat es eine Geschichte.
Das Mädchen mit der Mütze, das uns direkt ansieht, wirkt auf den ersten Blick stark. Vielleicht sogar unterkühlt. Aber je länger man hinsieht, desto mehr erkennt man: Sie ist verunsichert. Nachdenklich. Etwas traurig.
Ihr Blick spricht von einer inneren Unruhe – von Fragen, auf die sie selbst keine Antworten hat.
Medienflut, Dauervergleich, Selbstinszenierung.
„Under Pressure“ – das ist nicht nur ein Songtitel aus den 80ern. Es ist ein Zustand. Ein Gefühl. Eine neue Realität für viele junge Menschen. Und besonders oft für junge Frauen.
Social Media ist Bühne und Zwang zugleich. Likes als Währung. Filter als Norm. Reizüberflutung als Tagesgeschäft.
Wer bist du – wenn du ständig siehst, was du auch sein könntest?
Was bleibt von dir, wenn du nur das zeigst, was andere sehen sollen?
Dieses Bild zeigt kein Opfer. Aber eine Figur, die viel trägt. Eine, die gelernt hat, sich zu behaupten – und doch mit Zweifeln lebt.
Zwischen Neonfarben, Smileys, Großstadtkulisse und überzeichneten Emotionen sucht sie Halt.
In sich. In der Welt. Im Jetzt.
Kunst braucht keine Erlaubnis.
Dieses Werk ist Mixed Media – Acryl, Spray, Rauputz, Marker, Gefühl.
Aber mehr noch: Es ist Statement.
Denn: Du brauchst kein Atelier. Keinen Agenten. Kein Diplom.
Kunst beginnt nicht mit „Erlaubnis“. Kunst beginnt mit dir.
Und manchmal beginnt sie mit einem Kampf.
„Under Pressure: Modern Girl“ war so ein Kampf.
Aber am Ende hat sich alles gefügt. Das Bild hat seinen Weg gefunden. Und ich auch.
Ziel war es übrigens, wie zuletzt schon, der Leinwand den Eindruck eines Ausrisses einer Großstadtmauer mit Graffiti zu geben.
Format: 150 x 100 cm
Technik: Rauputz, Acryl, Marker & Sprühdose auf Leinwand
Titel: Under Pressure: Modern Girl
Jahr: 2025

S.O.D. – Was bedeutet das?
Eine Abkürzung mit Vergangenheit. Und neuer Bedeutung.
In den 80er- und 90er-Jahren stand S.O.D. für mich zunächst für rohe Energie, Lautstärke und Rebellion:
Stormtroopers of Death – eine kompromisslose Crossover-Band aus New York zwischen Thrash Metal und Hardcore Punk. Schnell, direkt, unangepasst. Damals war das Soundtrack und Haltung zugleich.
Heute steht S.O.D. für etwas anderes. Etwas Eigenes. Eine künstlerische Perspektive auf unsere Zeit.
S.O.D. = State of Distortion
Zustand der Verzerrung.
Ein Begriff, der beschreibt, wie sich unsere Gegenwart oft anfühlt:
Verzerrte Selbstbilder. Verzerrte Wahrnehmungen. Dauerfilter, Überinszenierung, der ständige Vergleich.
Ein Begriff, der auch meine Kunst beeinflusst: überzeichnet, überlagert, bewusst fragmentiert. Denn manchmal liegt gerade in der Verzerrung die Wahrheit.
S.O.D. ist also geblieben. Nur hat es seine Bedeutung verändert.
Weniger Krach. Verzerrung auf andere Art. Und nicht weniger Druck.

