Aufbäumen gegen das Einerlei
Berlin. Kreuzberg. Ein Viertel, das atmet, pulsiert, lebt. Doch der raue Charme, die wilde Kreativität auf nacktem Beton und bröckelnder Fassade wird zunehmend verdrängt, wie überall in Berlin. Glas, Stahl und sterile Loungeterrassen drücken sich heute immer öfter zwischen die verbliebenen Altbauten, Wandgemälde und Graffiti. Investoren träumen vom großen Knatter, während die ursprüngliche Seele der Stadt langsam verschwindet.
Ein Satz, den ich auf einer Mauer gelesen habe, bringt es schmerzhaft klar auf den Punkt:
„Diese Stadt stirbt abrissweise.“
Genau aus diesem Gefühl heraus ist „Yellow Dragon“ entstanden: Ein Bild, das sich dem Verschwinden entgegensetzt – in seiner Farbe, seiner Struktur, seiner Symbolik. Und zugleich ein Bild, das das unzerstörbare Gefühl von Neubeginn, Aufbruch und Freiheit in sich trägt.
Ein leuchtendes, lebendiges Gelb breitet sich über die Leinwand aus – roh, aufgebrochen, voller kleiner Unebenheiten wie eine gelebte Fassade. Und dann: ein großes, wachsames Auge. Fast comicartig. Fast trotzig. Es schaut, es beobachtet, es vergisst nicht.
Für mich ist der „Yellow Dragon“ ein Sinnbild für die Kraft der Subkultur, die sich nicht kampflos in sterile Luxuswohnungen verwandeln lässt. Er steht für das Unangepasste, das Wilde, das Authentische – für eine Stadt, die mehr ist als ihre Quadratmeterpreise.
Die Oberfläche des Bildes erinnert an Mauern, die Geschichten erzählen. An Orte, an denen Kunst auf der Straße lebt, nicht im Museum katalogisiert wird. An den Widerstand in Farben, der manchmal still und manchmal laut ist – aber niemals einfach verschwindet.
„Yellow Dragon“ ist mein Statement. Gegen das Vergessen. Für die Freiheit, Ecken und Kanten sichtbar bleiben zu lassen. Für all die Mauern, die noch leben, selbst wenn sie längst zu fallen drohen.


